Tandava Newsletter Winterpause 2019
oder:
"Abgrenzung und Lebendigkeit"

Eine Bekannte erzählte mir kürzlich von einer Begegnung mit einem sehr jungen Hund.

Der tollte herum, war neugierig, immer in Bewegung und von einer unbändigen Energie,
kurz : voll lebendig !
Sie meinte auch, in uns allen stecke diese überschäumende Energie,
und ich würde sagen, sogar im Alter ...

Ich selbst habe aber auch manchmal mit Menschen zu tun, die stets sehr stark auf Abgrenzung
bedacht sind und sich zurückhalten.
Wie geht das zusammen ?

Abgrenzung ist sicher sinnvoll, wenn ich das Gefühl habe, meine Grenzen werden überschritten,
ich kann nicht mithalten oder will Anforderungen nicht erfüllen.
Das Bauchgefühl kann da sehr schnell sein und "Nein" sagen.
Gibt es das nicht manchmal, daß wir verstandesmäßig trotzdem und ein "Ja" abringen, und dann nach der
Grenzüberschreitung uns denken: "Ich hab's doch gleich gewusst, ich hätte 'Nein' sagen sollen" ?

Abgrenzung kann allerdings auch aus schwierigen Emotionen wie Angst,
Scham oder Nichtswürdigkeit, Ekel oder Ablehnung,
oder auch Traurigkeit auftauchen.

Diese Emotionen "überschwemmen" uns und "machen uns zu".
Das heißt, sie verengen unser Bewusstsein.

In der Regel stammen die heftigsten Emotionen aus Vorgängen in der Vergangenheit,
ob sie uns bewusst sind oder nicht.
Und viele dieser Emotionen sind noch weiter im Körper gespeichert.

Im Tandava gibt es die Möglichkeit, diese gespeicherten Emotionen aus dem Körper zu erlösen,
indem wir unser Gewahrsein auf die Vorgänge im Moment richten.

Also wir tauchen voll ein in unser Körperbewusstsein (Atmung, Bewegung, Gleichgewicht, Fühlen,...)
aber auch zusätzlich in eine beliebige im Moment auftauchende Emotion.

Diese versuchen wir nicht zu interpretieren oder zu bewerten, und wir erzählen uns
auch keine Geschichten darüber, indem wir z.B. diese Emotion
noch weiter mit unseren Gedanken füttern, oder sie zu analysieren versuchen.

Wir begleiten einfach diese Emotion vom Auftauchen bis zum Verschwinden mit unserem
Bewußtsein im Moment und tauchen voll ein.
Mitsamt unseren stetigen, sehr langsamen Bewegungen im Tandava.

Der Effekt kann sein, dass der Körper dadurch auch von alten, gespeicherten Emotionen
befreit werden kann.

Der Körper will im Moment sein, und er kann das im Gegensatz zu unseren Gedanken auch ganz leicht !
Wir geben unserem Körper die Hoheit über unsere Emotionen zurück, die der Verstand ihm geraubt hatte.

Die Abgrenzung wird auf ein natürliches Maß zurückgefahren, welches unser Körpergefühl,
dem wir wirklich vertrauen können, im Moment bestimmt.

Wir können wieder unserer Umgebung mehr vertrauen, ohne dass uns unsere emotionale Verstrickung
aus Vergangenheit hemmt.

Wie wird unsere Umgebung auf diese "neue Offenheit" reagieren ?

Die Lebendigkeit ist das Ziel, und im Moment sein ist das Mittel dazu.